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Ich Sperre mich dann mal ein... 14 Tage Atelier
Das Projekt: 16 - 30 März  /  Ausstellung: 9 - 13 April


Die Idee:
Ich sperre mich dann mal ein…. Diese Idee hatte ich schon lange. Ursprünglich als eine einmonatige komplette Abschottung gedacht entstand nun dieses 14 tägige Projekt. Gründe dafür gab es mehrere. Aber hauptsächlich ging es darum was entsteht wenn man sich rund um die Uhr mit sich und der Malerei beschäftigt. Ich persönlich lebe sehr in Zeiteinteilungen. Ich plane und zerstückle alles in Einheiten. Dabei vergesse ich leider manchmal worum es geht. Deshalb war ein sehr wichtiger Faktor für mich alle Uhren zu verbannen. Schlafen wenn man müde ist, malen wenn man Lust hat - sich nicht durch äußere Faktoren stressen oder ablenken zu lassen.

Die Regeln:
1. Keine Uhren - eingehalten
2. 1x pro Woche Lebensmittel einkaufen - genutzt
3. 1x pro Woche, wenn nötig, Materialien einkaufen - genutzt
4. Jeden 2. Tag Sport – 2x in 14 Tagen gemacht
5. Das Atelier, außer für Punkt 2-4, nicht verlassen – einmal gebrochen um ein Eis zu holen (Wutanfall)!
6. Keine Themenvorgaben
7. Handy und Internet waren erlaubt habe ich aber selten benutzt.

Die Umsetzung:
Vorweg muss ich gleich sagen, dass ich froh bin das gemacht zu haben! Ich lernte einiges über meine Arbeitsweise und mich dazu. Die Uhrzeit zu ignorieren war gar nicht so einfach. Radio und Kirchenglocken machten es mir schwer, doch nach zwei Tagen ignorierte ich beides gekonnt. Auch der Wocheneinkauf war Neuland für mich. So entstanden notgedrungen sehr schräge Mahlzeiten. Es dauerte ca. eine Woche um richtig in das zeitlose entspannte Leben rein zu kommen. Trotz keinerlei Verpflichtungen hatte ich, vor allem anfangs, einen unheimlichen inneren Stress. Zuerst kam ich gar nicht damit zurecht nicht zu wissen wie spät es ist. Am Schlimmsten war es in der Früh. Ich konnte nicht einschätzen ob es 8.00 Uhr oder 14.00 Uhr war. (wer kennt schon seinen natürlichen Schlafrhythmus). Dadurch habe ich mir selber das Leben schwer gemacht. Nach ein paar Tagen wurde ich ruhiger und nach einer Woche war es mir egal. Je entspannter ich wurde umso besser ging das Malen. Ich arbeitete nicht auf die Ausstellung hin sondern es entstanden Bilder auf die ich einfach Lust hatte. Das unterscheidet sich zwar nicht so sehr von meiner normalen Arbeitsweise doch diesmal waren alle Bilder gleichwertig. Die Anfangsbilder und spontanen, schnellen Bilder haben dieselbe Wichtigkeit und Berechtigung wie die zuletzt entstandenen, mehr durchgedachten Werke. Selten habe ich einen Malzyklus so lange nebeneinander betrachtet. Man sieht richtig schön die Suche nach Thema und Ausdrucksweise.
Ich probierte auch wieder mehr aus. So entstand ein kleiner Film (leider nicht fertig), ich bastelte sehr viel und zeichnete auch hin und wieder. Nicht das Endprodukt war wichtig sondern das Machen an sich. Seit Langem konnte ich mich vom Gedanken an das „perfekte“ Werk lösen und dadurch freier Arbeiten.

Die Erkenntnis:
Ich bin ein Zwangsplaner und dauergestresst. Dauernd denke ich zu wenig zu tun, andererseits verzettle ich mich in 1000 Kleinigkeiten. >Das ahnte ich zwar schon aber nun habe ich es schwarz auf weiß. Wenn ich mir meine „done list“ anschaue, mache ich ohnehin dauernd etwas. Auch dass mich die Zeitlosigkeit derart aus dem Konzept bringt hätte ich mir nie erwartet. Dafür komme ich gut mit dem Alleine - und Abgeschottet sein zurecht. Wobei ich hier anmerken muss, dass ich schon auch Besuche hatte. Aber die Sozialkontakte waren weit weniger als normal. Ich glaube dass ich nach den zwei Wochen entspannter bin. Wenn mich der Stress packt, blende ich einfach die Zeit aus - und es hilft!

Bestätigt hat sich für mich das Sprichwort: von Nichts kommt Nichts. Das kreativ sein, wenn man darauf Lust hat bzw. einen die Muse küsst, klingt zwar sehr romantisch, funktioniert meiner Meinung nach aber nicht. Nur durch das Dranbleiben kommt man rein und neue Ideen und Prozesse können entstehen.

Daten und Fakten:
Ich schlafe ca. 7-9 Stunden!
Keine Waschlappen der Welt ersetzen eine Dusche!
Je mehr man macht umso länger ist der Tag!
Ich hatte in den zwei Wochen nur einen Faultag!
Man kann mit nur einer Herdplatte sehr viel kochen!
Ich verbrauche 1 Kilo Kaffeepulver und 8 Liter Milch in 14 Tagen!
Die Stille ist was Schönes! Musik und Radio habe ich überbewertet!
Lösungsmitteldämpfe lassen in der Nacht das Gesicht enorm anschwellen!

Resümee
Es war für mich eine tolle Erfahrung! Wobei 14 Tage fast zu kurz sind um sich so richtig in die Materie zu vertiefen, da ich fast eine Woche brauche um richtig vom Alltag loszulassen. Es war aber auch sehr anstrengend. Durch das ständige Konfrontiert sein mit der Kunst schaltete ich nie ab. Ich dachte beim Aufstehen sofort ans Malen und ging erst schlafen wenn die Augen schon zu fielen. Es gab so gut wie nie ein richtiges Pausieren. Dauernd kam mir noch eine Idee, was ich tun könnte. Ob es nun Malen oder Atelier verschönern war - die ganze Zeit bin ich herumgewuselt. Nichtsdestotrotz möchte ich das Projekt gerne wiederholen. Aber das nächste Mal länger und komplett abgeschottet. Das heißt keine Besuche, kein Handy und kein Internet. Ich bin jetzt schon gespannt was dann alles passiert.